Derzeit ist beim DAeC eine Neufassung der "Betriebstüchtigkeitsforderungen für Startwinden" in Vorbereitung, die voraussichtlich im Laufe des Jahres 2005 erscheinen wird. Bis dahin erlauben wir uns an dieser Stelle, Interessierten eine Abschrift der Ausgabe vom Juni 1982 zugänglich zu machen, die immer noch Gültigkeit hat. Die BFST ist das Regelwerk, nach dessen Maßstäben die Windenprüfungen in Deutschland erfolgen.

DEUTSCHER AERO CLUB E.V.
MITGLIED DER FEDERATION AERONAUTIQUE INTERNATIONALE

Technische Kommission






Betriebstüchtigkeitsforderungen
für
Startwinden zum Starten von
Segelflugzeugen und Motorseglern
(BFST)




Ausgabe: Juni 1982



I


Inhaltsverzeichnis


Abschnitt 1     Allgemeines

1001 Art und Verwendbarkeit der Betriebstüchtigkeitsforderungen
1011 Betriebstüchtigkeitszeugnis für Startwinden

Abschnitt 2     Betriebsverhalten

2001 Allgemeines
2011 Leistung, Zugkraft, Seilgeschwindigkeit
2021 Bedienung und Überwachung
2031 Kappvorrichtung
2041 Schwingungen
2051 Sicht
2061 Kühlung
2071 Drehzahl
2081 Sicherung gegen Fehlstart

Abschnitt 3     Festigkeit

3001 Belastung der Startwinde
3011 Standsicherheit
3021 Startwindenseil
3031 Seilschirm

Abschnitt 4     Gestaltung und Bauausführung

4001 Werkstoffe
4011 Herstellungsverfahren
4021 Schutz der Bauteile
4031 Schutz gegen Verletzungen
4041 Erdung
4051 Kapp-Vorrichtung
4061 Startwindenseil, Reihenfolge der Zwischenglieder
4071 Vorseil
4081 Zwischenseil
4111 Seilführung
4121 Seilspulvorrichtung
4131 Seiltrommel
4141 Antriebssystem
4151 Sitz des Startwindenfahrers
4161 Bedienhebel

Abschnitt 5     Ausrüstung

5011 Funktion und Einbau
5021 Überwachungs- und Anzeigegeräte
5031 Leuchten, Farbanstrich

Abschnitt 6     Betriebsgrenzen und Angaben

6001 Betriebsgrenzen
6011 Betriebsanweisung
6021 Wartungsanweisung

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Vorwort

Winden zum Starten von Segelflugzeugen, Motorseglern und sonstigen für den Windenstart geeigneten Luftfahrzeugen bedürfen vor ihrer endgültigen Inbetriebnahme einer Prüfung der Betriebstüchtigkeit. Die Betriebstüchtigkeitsforderungen für Startwinden (BFST) der Technischen Kommission des Deutschen Aero Club sind Grundlage dieser Prüfung, wenn es sich um Einzelstücke oder Nachbauten von Startwinden handelt, die im Amateurbau für den Einsatz im Luftsport hergestellt werden, also nicht der Musterzulassung und der Verkehrszulassung bedürfen (Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung Paragraph 1, Abs. 3 und Paragraph 6).

Die Feststellung der Betriebstüchtigkeit wird von einem Luftfahrttechnischen Betrieb (LTB) eines DAeC-Landesverbandes oder einem anderen LTB mit einer entsprechenden Prüforganisation übernommen, wenn der Hersteller und Halter der Startwinde dies beantragt. Das Personal für die Prüfung und Nachprüfung der Betriebstüchtigkeit von Startwinden wird von dem Prüfleiter des LTB unter dem sachkundigen Fachpersonal ausgewählt und beauftragt. Die Startwinde erhält von dem LTB ein Kennzeichen, welches aus der Kennung des Bundeslandes und Ziffern gebildet wird.

Der LTB wird bei Prüfvorgängen an Startwinden nicht im Rahmen seiner LBA-Anerkennung tätig. Das Erfordernis von Prüfungen ist eine interne Regelung des Luftsportverbandes aus Gründen der Flugbetriebssicherheit nach der Segelflugbetriebsordnung (SBO).

Für die Aufrechterhaltung der Betriebstüchtigkeit ist der Halter verantwortlich. Die Wartung soll in Anlehnung an die Erfahrungen des KFZ-Betriebes in regelmäßigen Intervallen erfolgen (5000 Starts entsprechen etwa 5000 km Fahrleistung). Eine Nachprüfung in Zeitabschnitten oder abhängig von den Betriebsleistungen ist erforderlich und wird bei der Feststellung der Betriebstüchtigkeit festgelegt.

Die Betriebstüchtigkeitsforderungen ersetzen die bisher verwendeten Richtlinien des Luftfahrt-Bundesamtes (LBA). Sie entsprechen dem derzeitigen Entwicklungsstand. Enge Grenzen für die Gestaltung und Bauausführung sind bewußt vermieden worden, eine fortlaufende Überarbeitung ist vorgesehen.

Die verwendeten Einheiten und Formelzeichen entsprechen dem Stand der Normung.

Die BFST wird nach der erforderlichen Abstimmung durch Beschluß der Technischem Kommission des DAeC in Kraft gesetzt.
Sie ist einschließlich des Änderungsdienstes bei der DAeC-Wirtschaftsdienst-GmbH, Frankfurt, zu beziehen.

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Abschnitt 1     Allgemeines

Art und Verwendbarkeit der Betriebstüchtigkeitsforderungen

1001 Diese Betriebstüchtigkeitsforderungen gelten für den Nachweis der Betriebstüchtigkeit von Startwinden zum Starten von Segelflugzeugen, Motorseglern und sonstigen zum Windenstart geeigneten Luftfahrzeugen.
1003 Die nachfolgenden zur Sicherstellung der Betriebstüchtigkeit der Startwinden im einzelnen getroffenen Festlegungen sind Mindestforderungen, die aus den bisher im Betrieb gesammelten Erfahrungen hergeleitet und in abgerundete Zahlenwerte gefaßt wurden.
1005 Von diesen Forderungen kann abgewichen werden, wenn neue Erkenntnisse oder Sicherheitserfordernisse dies rechtfertigen.
Betriebstüchtigkeitszeugnis für Startwinden
1011 Für die Startwinde wird auf Antrag ein Betriebstüchtigkeitszeugnis von dem prüfenden LTB ausgestellt, wenn diese Betriebstüchtigkeitsforderungen erfüllt sind oder bei Nichterfüllung einer oder mehrerer Forderungen ein gleichwertiger Leistungs- und Sicherheitsnachweis erbracht wird.
1013 Die Unterlagen für die Gestaltung und Konstruktion der Startwinde sind bei der Prüfung der Betriebstüchtigkeit vorzulegen.
1021 Die nachfolgenden Forderungen beziehen sich auf Startwinden, die mit Verbrennungsmotor ausgerüstet sind.

Bei Verwendung anderer Antriebssysteme (Elektromotor etc.) sind sie vorerst sinngemäß anzuwenden, bis entsprechende Erfahrungen vorliegen.

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Abschnitt 2     Betriebsverhalten

Allgemeines

2001 Die Bedienung der Startwinde muß für einen ausgebildeten Startwindenfahrer ohne außergewöhnliche Anstrengung und Geschicklichkeit möglich sein.
Leistung, Zugkraft und Seilgeschwindigkeit
2011 Die Leistung der Startwinde, ihre Zugkraft und die Seilgeschwindigkeit müssen so aufeinander abgestimmt sein, daß alle vorkommenden Windenstart-Vorgänge mit den Luftfahrzeugen, für welche die Startwinde bestimmt ist, sicher durchgeführt werden können.

Beim Start von Luftfahrzeugen mit dem Höchstgewicht müssen die folgenden Forderungen erfüllt sein:

a) Bei Windstille muß das zu startende Luftfahrzeug nach einer Beschleunigungsstrecke von 15 m um die Längsachse steuerbar sein und nach höchstens weiteren 45 m Beschleunigungsstrecke die Abhebegeschwindigkeit va erreicht haben.
b) Die Drehzahl der Seiltrommel muß so bemessen sein, daß beim Kerndurchmesser der Trommel mit der notwendigen Leistungsabgabe eine Seilgeschwindigkeit von 1,2 va erreicht wird.
c) Die Leistung der Startwinde muß so bemessen sein, daß das Luftfahrzeug bei Windstille unter Einhaltung der für den Windenstart zugelassenen Höchstgeschwindigkeit eine Ausklinkhöhe erreicht, die mindestens 25% der ausgelegten Seillänge beträgt. Diese geforderte Ausklinkhöhe muß das Durchfliegen einer sicheren Platzrunde ermöglichen.
d) Durch Rechnung oder Versuch muß der Nachweis erbracht werden, daß bei allen Windgeschwindigkeiten - von Windstille bis zu der höchsten Windgeschwindigkeit, für welche die Startwinde eingesetzt werden soll - die von der Startwinde erzeugte Seilkraft für das Fluggewicht des zu startenden Luftfahrzeugs ausreichend ist.

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Bedienung und Überwachung

2021 Der Startwindenfahrer muß während des Betriebes die Leistung und Seilgeschwindigkeit regeln und überwachen können, insbesondere müssen weiche und ruckfreie Starts ohne besondere Kraftanstrengung oder außergewöhnliche Geschicklichkeit möglich sein.
Kappvorrichtung
2031 Die Kappvorrichtung, ihre Bedienung und Auslösemechanik muß gewährleisten, daß der Startwindenfahrer vom Fahrersitz aus während jeder Phase des Starts die Seilverbindung zum Luftfahrzeug schnell und sicher trennen kann.
Schwingungen
2041 Bei allen vorkommenden Seilgeschwindigkeiten und Seilrichtungen dürfen keine für den Startvorgang oder die Startwinde gefährlichen Schwingungen auftreten.
Die einwandfreie Bedienung der Winde darf durch Schwingungen nicht behindert werden.
Sicht
2051 Die Sicht des Startwindenfahrers in Richtung auf das startende Luftfahrzeug darf während des Startvorganges durch Aufbauten nur soweit beeinträchtigt werden, als es der Schutz des Startwindenfahrers bei Seilrissen oder gegen Wetterunbilden erfordert. Die Beobachtung des startenden Luftfahrzeuges muß während des Startvorganges durchgehend möglich sein.
Kühlung
2061 Das Kühlsystem der Startwinde ist so zu bemessen, daß auch bei dichtest möglicher Startfolge und heißem Wetter die maximale Betriebstemperatur von Motor und Getriebe nicht überschritten wird.

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Drehzahl

2071 Beim Einsatz der Startwinde sollten unzulässige Drehzahlen vermieden werden. Dies gilt auch für Seilrißübung mit plötzlichem Ausklinken bei größerer Seilkraft.
Sicherung gegen Fehlstart
2081 Es muß sichergestellt sein, daß der Antriebsmotor nur dann angelassen werden kann, wenn keine kraftschlüssige Verbindung zu einer Seiltrommel besteht.

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Abschnitt 3     Festigkeit

Belastung der Startwinde

3001 Sämtliche durch den Startvorgang beanspruchten Teile sind nach den Regeln des allgemeinen Machinenbaus zu bemessen. Eine ausreichende Festigkeit für den Fall höchstzulässiger Seil- und Massenkräfte bei ungünstigen Richtungen ist durch Erprobung nachzuweisen.
3003 Bei Verwendung von Baugruppen aus dem Kraftfahrzeugbau ergibt sich ein ausreichender Festigkeitsnachweis aus dem Vergleich der Betriebsbedingungen. Werden Bauteile oder -gruppen aus bewährten Startwinden übernommen, genügt der Nachweis gleicher oder geringerer Belastungen im Betrieb.
Standsicherheit
3011 Für den Startvorgang ist ausreichende Standsicherheit bei zulässiger Seilkraft (Sollbruchstelle) und ungünstigster Seilrichtung nachzuweisen. Die Sicherheit gegen Abheben oder Kippen soll mindestens j = 1,5 betragen.
Startwindenseil
3021 Die Bruchlast des neuen Startwindenseils, einschließlich der Zwischenglieder mit Ausnahme der Sollbruchstelle, muß mindestens dem 1,5-fachen des Höchstgewichtes des zu startenden Luftfahrzeuges betragen.
Seilschirm
3031 Je nach Art der Kraftübertragung muß die Bruchlast des Zentralseils oder die der gesamten Fangleinen mindestens so hoch sein wie die des Startwindenseils.

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Abschnitt 4     Gestaltung und Bauausführung

Werkstoffe

4001 Eignung und Dauerhaftigkeit der verwendeten Werkstoffe müssen aufgrund von Erfahrungen oder Untersuchungen erwiesen sein (z.B. DIN).
Herstellungsverfahren
4011 Die angewendeten Herstellungsverfahren müssen einwandfreie Verbände ergeben.
4013 Die elektrische Anlage der Startwinde hat den anerkannten Regeln der Elektrotechnik im Kraftfahrzeugbau zu entsprechen.
4015 Betriebsstoff- und Elt.- Leitungen sind so zu verlegen, daß eine Brandgefährdung ausgeschlossen ist.
Schutz der Bauteile
4021 Alle Bauteile der Startwinde müssen in geeigneter Weise gegen übermäßigen Verschleiß und gegen Korrosionseinflüsse hinreichend geschützt werden.
Schutz gegen Verletzungen
4031 Alle beweglichen Teile der Startwinde müssen durch geeignete Vorrichtungen so geschützt sein, daß Verletzungen von Personen mit Sicherheit vermieden werden.
4033 Der Führerraum der Startwinde ist durch Vorrichtungen (z.B. Drahtschutzgitter) so abzusichern, daß der Startwindenfahrer gegen ein herabfallendes Seil auch bei einem Seilriß vor Verletzungen geschützt ist.
Erdung
4041 Die Startwinde ist gegen Blitzschlag und luftelektrische Aufladungen durch Erdung zu sichern. Die Erdanker und Anschlußkabel müssen nach anerkannten Regeln der Elektrotechnik bemessen sein.

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Kapp-Vorrichtung

4051 Die Kappvorrichtung muß auch bei laufendem Seil ihre Funktion sicher erfüllen können. Die Schnittleistung ist so zu bemessen, daß mindestens zwei Seilstücke des zu verwendenden Seils mit glattem Schnitt gekappt werden können.
Startwindenseil, Reihenfolge der Zwischenglieder
4061 Als Startwindenseil dürfen nur Seile verwendet werden, die einer anerkannten Norm entsprechen. Die Bruchlast des Seils muß dem unter Ziffer 3021 aufgeführten Wert entsprechen.
Seilverbindungen sollen durch Spleißen oder durch ähnliche bewährte Verdrall- und/oder Klemmverbindungen (Stahl oder Aluminium) erfolgen.
Klemmverbindungen sind regelmäßig zu prüfen und rechtzeitig zu erneuern.
4063 Zischen der Schleppkupplung am Luftfahrzeug und dem Startwindenseil sind als Zwischenglieder einzuschalten:
a) Anschlußringpaare nach LN 65091 mit nicht mehr als zwei Sollbruchstellen
b) Sammelring
c) versteiftes Vorseil von 5 m Länge
d) ggfs. Zwischenseil, um den Mindestabstand nach Ziffer 4065 einzuhalten.
e) Seilschirm
Diese Reihenfolge ist die empfohlene Regelanordnung, die in begründeten Fällen zu ändern ist.
4065 Bei Seilschirmen mit einem Nenndurchmesser der geöffneten Kappe von mehr als 1,5 m muß der Abstand zwischen der Schleppkupplung von Segelflugzeug und dem Scheitel der Schirmkappe mindestens 12 m betragen.

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4065 Bei Seilschirmen mit einem Nenndurchmesser der geöffneten Kappe von bis zu 1,5 m kann der Abstand zwischen Schleppkupplung und Scheitel der Schirmkappe geringer sein; er muß jedoch mindestens 5 m betragen.
Vorseil
4071 Das versteifte Vorseil setzt sich zusammen aus einem Stück Startwindenseil und einem darübergezogenen, gewebeverstärktem Gummischlauch (z.B. Schlauch für Sauerstoff nach DIN 8541).
Zwischenseil
4081 Das Zwischenseil ist mindestens als normales Startwindenseil auszuführen.
Seilführung
4111 Die Seilführung muß so ausgebildet sein, daß das Startwindenseil bei allen im Betrieb vorkommenden Kräften, Seilgeschwindigkeiten und Seilwinkeln sicher und zuverlässig geführt wird.
Für die Seilwinkel gelten folgende Grenzlagen:
nach oben:alpha = 90 (Seil senkrecht nach oben) bei beta = 0
nach unten:alpha = 20 bei beta = 0
seitlich:beta = 30 nach beiden Seiten bei alpha = -20 bis alpha = 90
Vor der Seilführung dürfen sich keine Bauteile befinden, die das Startwindenseil in seinen Bewegungen behindern können, oder an denen das Seil nach dem Kappen hängenbleiben kann. Rollen, die zur Führung oder Umlenkung des Seils dienen, müssen so ausgebildet bzw. angeordnet sein, daß das Seil auch bei der ungünstigsten Seilrichtung nicht von den Rollen abgleiten kann. Alle Lager müssen gegen Verschmutzen geschützt sein. Seilführungsrollen dürfen keine scharfen Kanten haben, die das Seil beschädigen können.
Seilführungsrollen sollen sich in Außendurchmesser und Werkstoffauswahl unter Berücksichtigung des Seildurchmessers und des Umschlingwinkels an bewährte Muster anlehnen. Gewicht und Trägheitsmoment der Führungsrollen sind nach Möglichkeit gering zu halten.
Die Oberfläche der Seilrollen sollte härter sein als der Werkstoff des Startwindenseils.

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Seilspulvorrichtung

4121 Wenn einwandfreies Selbstspulen nicht gewährleistet ist, muß eine automatische Vorrichtung zum Aufspulen des Seiles auf die Trommel eingebaut werden.
Bei der Ausführung der Spulvorrichtung ist auf einwandfreie Führung des Seils sowie auf geringen Verschleiß von Seilführung und Startwindenseil zu achten.

Hinweis: Eine Spulvorrichtung ist erforderlich, wenn das Verhältnis von Trommelbreite zum Abstand zwischen Trommel und Rollen kleiner als 1:18 ist.

Seiltrommel
4131 Seiltrommeln sind so auszubilden, daß die für die Startwinde vorgesehene Seillänge aufgenommen werden kann.
Die Seiltrommel ist statisch und, falls erforderlich, auch dynamisch auszuwuchten.
Bei Doppeltrommelwinden muß sichergestellt sein, daß nur eine Trommel kraftschlüssig eingerückt werden kann. Es ist dafür zu sorgen, daß sich die Trommeldrehzahl ungleichförmigen Geschwindigkeiten des auslaufenden Seils möglichst verzögerungsfrei angleichen kann, ohne daß beständige Aufmerksamkeit des Windenfahrers erforderlich ist (z.B. Seilablaufbremse).

Anmerkung:
Kerndurchmesser und Breite der Trommel müssen unter Berücksichtigung des für die Startwinde festgelegten Seildurchmessers und der maximal zulässigen Seillänge so gewählt werden, daß unter Zugrundelegung des ausnutzbaren Motordrehzahlbereichs die Leistungs-, Zugkraft- und Seilgeschwindigkeitsforderungen erfüllt werden können.

Antriebssystem
4141 Der Startwinden-Antriebsmotor muß einem im Kraftfahrzeug- oder Arbeitsmaschinenbau bewährten Muster entsprechen; seine maximale Leistung soll nicht weniger als 110 kW betragen. Die ruckfreie Kraftübertragung vom Antriebsmotor zur Seiltrommel sollte durch eine hydrodynamische Einrichtung (Flüssigkeitskupplung und Flüssigkeitsgetriebe bzw. Drehmomentenwandler) sichergestellt werden. Automatische Getriebe sind ggfs. so zu ändern, daß gefährliche Schaltstöße während das Starts vermieden werden.

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Sitz des Startwindenfahrers

4151 Der Sitz des Startwindenfahrers muß fest mit dem Startgerät verbunden und so ausgebildet sein, daß eine vorzeitige Ermüdung vermieden wird. Die Sicht des Startwindenfahrers auf das zu startende Luftfahrzeug darf nicht unnötig behindert sein.

Der Sitz muß gefahrlos erreicht werden können. Leitern und Tritte sind ggfs. nach der Unfallverhütungsvorschrift 2.0 auszuführen.

Bedienhebel
4161 Alle Bedienhebel und Griffe sind übersichtlich und in Reichweite des Startwindenfahrers anzuordnen. Sie müssen leicht zu betätigen und dem Verwendungszweck entsprechend gekennzeichnet sein. Der Hebel oder Griff zur Betätigung der Kappvorrichtung ist rot zu kennzeichnen; es darf nur Handbedienung vorgesehen werden. Alle Betätigungsorgane müssen so ausgebildet sein, daß ein selbsttätiges, ungewolltes Verstellen in keinem Betriebszustand möglich ist.
Falls erforderlich, muß durch besondere Einrichtungen verhindert werden, daß z.B. Schaltstellungen von Übersetzungsgetrieben zum Eingriff gelangen, die nicht für den Windenstart vorgesehen sind.

Auf einen geringen Lärmpegel soll geachtet werden, nicht zuletzt wegen der erforderlichen fernmündlichen Verständigung zwischen dem Startwindenfahrer, dem Startleiter und ggfs. dem Luftfahrzeugführer während des Startvorgangs.

4163 Bei Doppeltrommelwinden sollen Ausleger des Seilrückhol-Fahrzeuges die Seile im Abstand von mindestens 3 m halten.

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Abschnitt 5     Ausrüstung

Funktion und Einbau

5011 Jedes Teil der Ausrüstung, das für den sicheren Betrieb der Startwinde notwendig ist, muß so eingebaut werden, daß es die ihm zugedachte Aufgabe vollständig und einwandfrei erfüllt. Die einwandfreie Funktion darf auch nicht durch starken Regen und hohe Luftfeuchtigkeit beeinträchtigt werden.
Überwachungs- und Anzeigegeräte
5021 In allen Startwinden muß mindestens eingebaut sein:
a) Ein Instrument zum Ablesen der ungefähren Seilgeschwindigkeit, bzw. Trommel- oder Motordrehzahl
b) ein Kraftstoff-Vorratsanzeiger
c) ein Öldruckanzeiger (falls erforderlich)
d) eine elektrische Ladekontrolle
e) ein Gerät zur Überwachung der Betriebstemperatur
f) ein Signalhorn
Normale Betriebsbereiche sind durch grüne Bögen, Gefahrenbereich durch gelbe Bögen und Grenzwerte durch rote Striche zu kennzeichnen.
Leuchten, Farbanstrich
5031 Die Startwinde ist mit einer gelben Signalleuchte (Blink- oder Drehleuchte) auszurüsten, die spätestens mit dem Einlegen des Motorgetriebes eingeschaltet wird.
Darüber hinaus ist die Startwinde mit einem auffallenden Farbanstrich zu versehen, so daß sie von allen Seiten und von oben als Hindernis leicht erkennbar ist (Weiß und Rot (RAL 2000) in großflächigem Wechsel).

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Abschnitt 6     Betriebsgrenzen und Angaben

Betriebsgrenzen

6001 Die folgenden Sicherheitsgrenzen sind nach den Ergebnissen der Berechnungen und Erprobungen der Startwinde festzulegen und in das Zeugnis der Betriebstüchtigkeit aufzunehmen.
a) das höchstzulässige Gewicht des zu startenden Luftfahrzeuges
b) Die maximale Startwinden-Seillänge in Abhängigkeit von dem Seildurchmesser
c) Die Mindestbruchfestigkeit des Startwindenseils
d) Fälligkeit von Nachprüfungen
Betriebsanweisung
6011 Der Halter hat eine Betriebsanweisung und eine Wartungsanweisung zu erstellen, welche die für die Aufrechterhaltung der vollen Betriebstüchtigkeit notwendigen Angaben enthalten muß.
6013 Es wird empfohlen, die Betriebsanweisung für die Startwinde wie folgt aufzugliedern:
1. Betriebsgrenzen gem. Ziff. 6001
2. Art und Ort der Beschriftungen und Markierungen
3. Aufbau und Klarmachen der Startwinde
4. Kontrollen vor und während des Betriebes
5. Ausziehen der Startwindenseile
6. Startvorgang
7. Gefahrenzustände
8. Abbau nach dem Flugbetrieb

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Wartungsanweisung

6021 Die Wartungsanweisung muß mindestens die folgenden Angaben enthalten:
1. Eine kurze Beschreibung der Baugruppen mit Hinweisen für den Ein- und Ausbau (z.B. Kappvorrichtung, hydraulische und elektrische Anlagen, Kraftstoffanlage, Seilgeschirr usw.), soweit besondere Kenntnisse notwendig sind.
2. Hinweise zur Wartung der unterschiedlich belasteten Anlagen in Abhängigkeit von Zeitabschnitten bzw. Startzahlen
3. Verfahren zum Messen und Auffüllen von Betriebsmitteln
4. Erforderlichenfalls eine Liste der Bauteile mit Lebensdauerbefristung
5. Empfehlungen für die Reinigung und Pflege
Die Wartungsvorgänge einschließlich der vorgesehenen Kontrollen sind in den Betriebsaufzeichnungen (Startwindenbuch) einzutragen.

Inhaltsverzeichnis

 

Vorschriften